Post View – Ein langfristiges Versprechen

Im Netz gehen immer mehr Post View Banner um und eigentlich genauso viele Agenturen, die dieses Werbeformat verteidigen.

Was ist Post View?
Bei Post View nimmt man sich ein möglichst großes Werbeformat z.B. einen Leaderboard und packt dort 2-4 Anzeigen rein. Ähnlich wie in Adsense.

Allerdings setzt jede dieser Anzeigen ein Cookie. Deswegen auch der Name. Man möchte pro View eine Sale/Lead-Vermittlung möglich machen und nicht erst, wenn der Nutzer klickt.

Man argumentiert hier mit den Vorteilen, dass auch ein Branding-Effekt statistisch mit Leads/Sales in Verbindung gebracht werden kann.

Was ist gut an Post View?
Das gute an Post View ist, dass so ziemlich alle daran profitieren. Der Publisher, der seine Werbeplätze vermarktet, bekommt nun attraktive TKP-Vergütungen, das Werbenetzwerk, da dies mehr Impressionen und Umsätze vorweisen kann und schlussendlich die Agentur / der Sub-Advertiser (der manuell Banner aus Werbenetzwerken zusammenbaut) welche dem Kunden große neue Zahlen präsentieren können.

Wer leidet unter Post View?
Zwei Gruppen sind hier zu erwähnen. Einmal die Affiliates (Publisher mit Landingpages, spezialisiert auf Besuchervermittlung per Klick). Diese haben hochwertige Seiten gebaut, in denen Produkte und Dienstleistungen ausführlich erklärt werden. Allerdings gehen diesen die Provisionen flöten, sobald ein Besucher nach einem Klick, noch mal schnell seine Emails checkt und auf der Seite des Emailanbieters ein Post-View Banner erscheint. Egal ob er ihn gesehen hat oder nicht. Natürlich gilt das für jede auch nur denkbare Seite, die der Besucher zwischenzeitlich aufruft. Solche “Post View”- Banner erscheinen auch auf den trafficstärksten Seiten im Netz.

Im Grunde wäre nichts dagegen einzuwenden, dass der “Post View”-Banner die Provision generiert. Schließlich war dieser der letzte, der den Kaufreiz ausgelöst hat. Doch bei Post View weiß man eben nicht, ob der Besucher diesen Banner wirklich gesehen hat. Inbesondere bei gespalteten Leaderboards, also wenn mehrere Anzeigne nebeneinander stehen, übersieht der Besucher die Anzeigen gerne mal. Vor allen Dingen geben sich “Post View”-Bannerersteller keine Mühe. Denn auf die Optik kommt es gar nicht an.

Ein weiteres Problem ist, dass der Banner theoretisch überall auf der Seite platziert werden kann. D.h. auch rechts unten oder im Footer oder rechts oben. Eben da wo die Heatmap keine gute Wahrnehmung resultiert.

Aber selbst das ist nicht weiter tragisch, denn auch im klicktstärksten Segment resultieren “Post View”-Banner mit die schlechtesten Klickraten. Das haben wir in eigenen Tests schnell gemerkt. Gegen zielgerichtete Werbung, wie z.B. Adsense hat eine “Post View”-Anzeige keine Chance.

Der Affiliate könnte uns aber egal sein. Es sind nicht viele Affiliates im Verhältnis zu Publishern, Sub-Advertiser, Netzwerken und Agenturen. Ihre Stimme zählt nicht, daher komme ich zum wichtisten Leidtragenden in der Kette:
Der Kunde (Advertiser)

Warum leidet der Kunde am meisten?
Im Netz wird Post View gerne damit kritisiert, dass es angeblich zu doppelten Vergütungen führt. Diese Aussage bestreiten aber so ziemlich alle Werbenetzwerke. Wir glauben ihnen mal in diesem Punkt.

Allerdings wird der Hauptgrund kaum publiziert. Nämlich die erhöhte Ausschüttungsrate von Provisionen bei gleichbleibenden Verkäufen. Das heißt, dass der Kunde unter dem Strich viel mehr Provisionen ausschütten muss, obwohl er gar nicht mehr verkauft. Das ist auch soweit logisch. Post View Banner erscheinen wie gesagt auf den trafficstärksten Seiten. Damit decken sie einen sehr großen Teil der Besucher ab und damit auch die Besucher, die sowieso gekauft hätten.

Warum merkt der Kunde das nicht?
Es wird eine ganze Weile dauern, bis der Kunde das merkt. Erstmal dauert es, bis er selber ausschütten muss und dann noch mal so lange, bis eine Auswertung vorliegt.

Das Problem ist vor allen Dingen, dass der Kunde tatsächlich mehr verkauft. Ist ja auch logisch, da er weit aus repräsentativer im Netz auftritt, allerdings steigt wie gesagt auch die Ausschüttungsrate im Allgemeinen. Also nahezu jeder Verkauf, der über das Netz stattfindet, führt schlussendlich zur Ausschüttung bei irgendeinem

Ich denke mal, dass der Hauptteil der Kunden 3-6 Monate brauchen wird, bis das Problem erkannt wurde. Und dann wird es böse enden. Die Kunden werden entweder gar nicht mehr buchen oder nur noch mit verminderten Provisionen. Allerdings lohnt sich dann Post View vielleicht schon gar nicht mehr und am Ende bleiben die Affiliates auf reduzierten Provisionssätzen sitzen und der Kunde leidet erneut, weil die Affiliates von solchen Angeboten Abstand halten werden.

Es kann auch noch länger dauern, da bei Affiliates vor allen Dingen Neueinsteiger zwischen Angeboten unterscheiden und bestehende Affiliates in der Regel “erstmal damit leben”.

Am Ende leiden insbesondere die Werbenetzwerke an diesem System. Die Agenturen weniger, weil die sich dann einfach was neues einfallen lassen.

Warum ist Post View schon immer “verboten” gewesen?
Ein Cookie bei jeder Impression zu setzen, ist nichts neues. Verschiedene Anbieter von Layer-Werbung werfen sich auch heute noch vor, dass sie sich gegenseitig die Cookies überschreiben würden.

Diverse verbotene Techniken waren z.B. die Einbindung von Layer, Frames und unsichtbaren Bildern. Hauptsache ein Cookie wurde beim Besucher gesetzt, egal ob er nun wirklich vermittelt / gebrandet wurde oder nicht.

eBay oder Quelle haben z.B. irgendwann die Darstellung Ihrer Websites über solche Techniken verboten (und unter Vertragsstrafe gestellt). Eben weil sie gemerkt haben, dass sie selbst unter dieser Vermarktungsform zu leiden haben.

Wer von der positiven Wirkung von Post View überzeugt ist, sollte die Kunden fragen, die solche Techniken schon vor Jahren verboten haben.

Und ein “Post View”-Banner ist nichts anderes als ein Frame. Allerdings schlimmer: Es sind 2-4 Frames auf einmal.

Comments

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Marcus Tandler, Michael Zander und Oliver, superclix erwähnt. superclix sagte: Postview – ein langfristiges Versprechen http://tinyurl.com/ylokomo #affiliate #seo #postview [...]

  2. Ein leidiges Thema! Schön erklärt, vielen Dank dafür. Im Prinzip ist es wie überall. Wo sich Geld verdienen lässt, ist sofort jemand an der Tränke…

    Zum Thema Cookie-Dropping hatte ich einen Knol Artikel geschrieben, der insbesondere die Problematik des Framings mit aufzeigt ( http://knol.google.com/k/mario-fischer/affiliate-betrug-cookie-spreading/3dxpg444ao0ss/6# )
    Gruß,
    MF

  3. abraham sagt:

    Zugegeben, einer der besseren Artikel zum Thema. Aber alles andere als objektiv. Schauen wir mal unter die Haube. Nur um Fakten von Behauptungen zu trennen.

    >>Bei Post View nimmt man sich ein möglichst großes Werbeformat z.B. einen Leaderboard und packt dort 2-4 Anzeigen rein.

    Oft, aber nicht immer. Mir sind mindestens 2 PV Publisher bekannt, die auch ganz normale Single-Formate schalten. Im großen Stil. Einfach weil manche Kunden das als Voraussetzung für PV wünschen.

    >>Man argumentiert hier mit den Vorteilen, dass auch ein Branding-Effekt statistisch mit Leads/Sales in Verbindung gebracht werden kann.

    Nicht statistisch, tatsächlich. Gibt viele schöne Studien dazu. Und: Wie oft hast du auf einen Media Markt Prospekt, einen Bitburger Spot oder ein Lucky Strike Plakat geklickt, bevor du die Produkte gekauft hast? Noch nie gesehen? Doch? Aha! In allen Medien werden große Teile der möglichen Sichtkontakte nicht wahrgenommen. Trotzdem funktioniert’s irgendwie. Ist bei Bannern nicht anders. Wieso sollte es für Werbetreibende sinnvoller sein, diese Werbeleistungen nur auf TKP einzukaufen?

    >>…Inbesondere bei gespalteten Leaderboards, also wenn mehrere Anzeigen nebeneinander stehen, übersieht der Besucher die Anzeigen gerne mal.

    Das hat wer untersucht? Die Ergebnisse kenn ich gar nicht. Sieh dir mal eine Web.de Log-Out Page an. Haufenweise kleinteiliges Werbezeug, für das die Firmen sogar TKP zahlen. Glaubst du die können nicht messen oder rechnen? Ich glaub doch, wenn ich mir die Werbekunden anschaue. Auch wenn vielleicht 90% der User den Kram wirklich übersehen. Solange bei den übrigens 10% etwas hängen bleibt, lohnt sich’s scheinbar. Die Masse macht’s. Wie bei PV.

    >>Vor allen Dingen geben sich “Post View”-Bannerersteller keine Mühe. Denn auf die Optik kommt es gar nicht an.

    Behauptung. Zudem hat jeder Merchant meines Wissens die Möglichkeit Creatives zu prüfen und freizugeben. Würde ich dringend empfehlen.

    >Ein weiteres Problem ist, dass der Banner theoretisch überall auf der Seite platziert werden kann. D.h. auch rechts unten oder im Footer oder rechts oben. Eben da wo die Heatmap keine gute Wahrnehmung resultiert. …

    Da wirst du wohl Recht haben. Würde hier allen Merchants empfehlen, drauf zu achten, nicht irgendwo im Footer platziert zu werden. Kann man ja ausschließen. Nur zu behaupten (was du nicht getan hast, aber andere) alles below-the-fold wäre minderweitig, ist quatsch. Schon mal einen Spiegel Artikel gelesen ohne zu scrollen? Oder bei eBay Produkte gesucht? Viele Seiten müssen gescrollt werden, um überhaupt nutzbar zu sein. Ebenso sehr viele Online Ableger von Zeitungen oder Magazinen. Kaum ein Artikel, der auf eine Seite above-the-fold passt.

    >Warum leidet der Kunde am meisten? Im Netz wird Post View gerne damit kritisiert, dass es angeblich zu doppelten Vergütungen führt.

    Wenn man sich anschaut, wer die großen Post-View Kunden sind: Glaubt irgendjemand ernsthaft, die haben keine Cookie Weichen? No way. Brauchen die allein schon deswegen, weil die neben Affiliate Marketing noch 5 andere Online Werbekanäle haben.

    >Allerdings wird der Hauptgrund kaum publiziert. Nämlich die erhöhte Ausschüttungsrate von Provisionen bei gleichbleibenden Verkäufen.

    Damit unterstellst du schlichtweg: Werbewirkung von Bannern =0. Punkt. Dem widerspreche ich. Siehe oben. Das kann allenfalls bei den Kunden der Fall sein, die neben Affiliate Bannern Multimillionen TKP-Banner rausblasen und noch Kooperationen mit großen Medien am laufen haben. Sprich, wenn das Netz eh schon zugepflastert ist, kommt’s auf ~50 Mio. PV-Affiliate Banner auch nicht mehr an, weil alle User eh schon erreicht sind. Glaube, dass das höchstens bei den Top-Versandhändlern und Telkos zutrifft. An deren Stelle würde ich dann auch kein PV machen oder sehr genau steuern. Für Kunden, die sich sehr wenig oder keine TKP Werbung leisten können oder wollen, ist PV dagegen eine Chance viele Kontakte für wenig Risiko zu bekommen. Und Sales.

    >Warum merkt der Kunde das nicht?
    Nochmal die Bitte: Schaut euch an wer die PV Kunden sind. Die haben jahrelange Online Marketingerfahrung. Die sind nicht dumm. Die können Kosten und Nutzen nach spätestens 4 Wochen beurteilen und viele machen das nach meiner Beobachtung teilweise schon seit weit über 1 Jahr. Man kann nicht ausschließen, dass vielleicht ein Affiliate Manager nur seine eigenen Zahlen pushen will, und nicht so sehr auf Qualität schaut. Aber das muss ja nicht die Regel sein. Deswegen muss PV als Instrument nicht Schrott sein.

    >eBay oder Quelle haben z.B. irgendwann die Darstellung Ihrer Websites über solche Techniken verboten.. Wer von der positiven Wirkung von Post View überzeugt ist, sollte die Kunden fragen, die solche Techniken schon vor Jahren verboten haben.

    eBay und Quelle. Klar. Die beiden können auch nur verlieren. Gebe ich dir Recht. Weil die omnipräsent sind mit ihren Mrd. von TKP/CPC Bannern, die sicher massiv in der Performance gelitten haben.

    Warum nicht umgekehrt: Wer von der negativen Wirkung von Post View überzeugt ist, sollte die Kunden fragen, die solche Techniken schon seit Langem nutzen. Kunden fragen, nicht Affiliates.

    For the record: PV bietet jeden Menge Möglichkeiten zum Missbrauch. D.h. Cookie Dropping ohne echten Werbekontakt. Denke aber, dass es genug fähige Affiliate Manager und Agenturen gibt, die das im Griff haben können….wenn sie wollen.

  4. mgutt sagt:

    @ abraham
    Wenn von Post View die Rede ist, dann von sowas:
    http://www.binimage.de/postview-banner.png

    Es mag zwar “Post View”-Varianten geben, die seriöser umgesetzt werden, wo nur eine Anzeige ausgeworfen wird, allerdings sieht man in 99% der Fälle das was Du in dem zuvor genannten Link siehst. Und da geht es sicher nicht um Branding. Seriöse Einzelanzeigen sollen hier nicht Thema sein und dürfen gerne von diesem Artikel und seinem Fazit ausgeschlossen werden.

    > Nur zu behaupten (was du nicht getan hast, aber andere)
    > alles below-the-fold wäre minderweitig, ist quatsch
    Deswegen habe ich mich ausschließlich auf die Heatmap bezogen. Kritisiert wurden “Post View”-Banner in schlechten Heatmap-Regionen.

    >> Inbesondere bei gespalteten Leaderboards,
    >> also wenn mehrere Anzeigen nebeneinander
    >> stehen, übersieht der Besucher die Anzeigen
    >> gerne mal.
    > Das hat wer untersucht? Die Ergebnisse kenn ich gar nicht.
    Diese Analyse basiert auf eigenen Daten. ca. 5 Millionen Uniques bei unterschiedlichen Themengebieten (und entsprechend unterschiedlichen “Post View”-Bannern). Alle “Post View”-Banner wurden in dem Fall von Dritten mit lukrativen TKPs gebucht. Das Risiko war also völlig auf Seite des Advertisers. Trotz einer Klickrate, wo selbst eine Layer-Kampagne mangels Konvertierung sofort deaktiviert würde, wurden diese Kampagnen durchweg weiter gebucht. Die TKPs waren zwar niedrig, im Vergleich zu Layern, allerdings waren sie gut für die Restplatzvermarktung. Für den Publisher also lukrativ. Und wenn die Klickrate gering ist, kann es dafür eben nur zwei Gründe geben. Der Nutzer interessiert sich nicht dafür oder er hat die Anzeige nicht wahrgenommen.

  5. [...] Postview – ein langfristiges Versprechen – excellenter Post zum Thema! [...]

  6. Herbert sagt:

    Du schreibst, dass Post View Cookies die Affiliate Cookies überschreiben? Ich habe gehört, dass das bei den seriösen PV-Anbietern nicht passiert. Das ist doch nur dann ein Problem, wenn zusätzlich “echte” Cookies gedroppt werden, oder?

    Ansonsten TOP!

  7. mgutt sagt:

    @ Herbert
    Die Cookies werden häufig nicht direkt überschrieben, sondern stammen einfach von einem dritten Netzwerk. Zum Schluss entscheidet dann die Weiche an Hand des Datums, wer nun die Provision bekommt. Und das letzte Cookie gewinnt bekanntlich immer.

    Kommt das Cookie dagegen vom gleichen Netzwerk, kommt es simpel darauf an, wie das jeweilige Netzwerk damit umgeht. Also ob das erste Cookie erhalten bleibt oder ob es “aktualisiert” wird. Das ist aber von Netzwerk zu Netzwerk unterschiedlich. Häufig wird aber auch hier aktualisiert, damit man erkennen kann, wer nun der wirklich letzte war, der den Kauf ausgelöst hat.

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